Gouramis
Alles über Gouramis: Pflege, geeignete Aquarienbedingungen und Verträglichkeit. Praktische Tipps für Hobbyaquarianer.
Gouramis (Familie Osphronemidae) sind beliebte Süßwasserfische in der Aquaristik. Sie reichen von kleinen, farbenfrohen Zwergarten bis hin zu größeren und auffälligen Exemplaren. Viele Arten sind von ruhigem Wesen und haben einzigartige Verhaltensweisen, die sie sowohl bei Anfängern als auch bei erfahrenen Hobbyaquarianern beliebt machen. Auf dieser Seite finden Sie eine Übersicht über die von uns behandelten Arten, praktische Pflegetipps, Informationen zur Zucht und Antworten auf häufig gestellte Fragen.
Merkmale von Gouramis
Labyrinthorgan und Atmung
Ein wichtiges Merkmal vieler Gouramis ist das Labyrinthorgan: eine Atmungsanpassung, mit der sie Sauerstoff aus der Luft aufnehmen können. Dadurch sind sie weniger auf gelösten Sauerstoff im Wasser angewiesen, was erklärt, warum man viele Gouramis ruhig an der Wasseroberfläche herumschwimmen sieht.
Aussehen und Variation
Gouramis variieren stark in Größe und Farbe. Zwergarten sind oft leuchtend gefärbt und eignen sich für kleinere Aquarien; größere Arten können eine Länge von 25–40 cm erreichen. Die Formen variieren von flachen, schlanken Körpern bis zu gedrungeneren Typen mit auffälligen Flossenmustern.
Verhalten
Viele Gouramis sind relativ ruhig, aber es gibt deutliche Unterschiede zwischen den Arten. Männchen können territorial werden, insbesondere während der Fortpflanzungszeit. Einige Arten zeigen interaktives Verhalten (wie das sogenannte „Kussverhalten” beim Kussgourami) oder ausgedehnte Balzrituale beim Bau von Schaumnestern.
Gouramis in freier Wildbahn – Herkunft und natürlicher Lebensraum
Die meisten Gourami-Arten stammen aus Südostasien: langsam fließende Flüsse, Sümpfe, Reisfelder und mangrovenartige Gebiete mit viel Vegetation und oft etwas trübem Wasser. In der Aquaristik bedeutet dies eine Vorliebe für ruhige Wasserströmungen, viel Bepflanzung und Versteckmöglichkeiten für die Tiere.
Wasserwerte und Aquarienparameter (allgemeine Richtlinie)
Bitte beachten Sie: Es gibt große Unterschiede zwischen den Arten. Verwenden Sie die folgenden Werte als Ausgangspunkt und überprüfen Sie immer die artspezifischen Empfehlungen auf der Detailseite der jeweiligen Art.
- Temperatur: 24–28 °C (für viele Arten) – einige Arten vertragen etwas niedrigere Temperaturen; tropische Arten benötigen oft 24–28 °C.
- pH-Wert: 6,0–7,5 (meist weich bis neutral) – weiche, leicht saure bis neutrale Wasserwerte werden von vielen Arten bevorzugt.
- GH (Gesamthärte): 3–12 dGH (weich bis mittelhart).
- Wasserströmung: ruhig bis mäßig – das Labyrinthorgan und die Vorliebe für den Oberflächenbereich machen starke Strömungen unangenehm.
Tipp: Messen Sie regelmäßig pH-Wert, Temperatur und Ammoniak/Nitrit/Nitrat und nehmen Sie größere Anpassungen nur langsam vor.
Aquariengröße & Einrichtung
Wählen Sie die Aquariengröße entsprechend der Art und Gruppengröße:
- Kleine Arten (z. B. Honig-Fadenfisch, Zwerg-Fadenfisch): ab ~60 l für ein Paar oder eine kleine Gruppe.
- Mittlere Arten (z. B. Diamant-Fadenfisch): ab ~120–160 l.
- Große Arten (z. B. Kuss-Fadenfisch): 250 l oder mehr, je nach Anzahl und Verhalten.
Einrichtung:
- Viele Pflanzen und Schwimmpflanzen als Schutz und Ruhezone.
- Offener Schwimmraum in der Mitte und an der Oberfläche.
- Weicher Boden und ausreichend Versteckmöglichkeiten (Wurzeln, hohle Holzstücke).
- Mäßige Filterung mit sanftem Ausfluss (ggf. Ausfluss verbreitern).
Fütterung
Guramis sind in der Regel Allesfresser. Eine abwechslungsreiche Ernährung ist für Farbe, Gesundheit und Fortpflanzung unerlässlich.
Empfehlung:
- Grundlage: hochwertiges Trockenfutter (Flocken oder Pellets), das auf tropische Allesfresser abgestimmt ist.
- Ergänzung: Tiefkühl-/Lebendfutter (Mückenlarven, Daphnien, Artemia) und regelmäßig Gemüse-/Pflanzenmaterial (z. B. fein geschnittener Spinat oder Spirulina-Tabletten).
- Füttern Sie 1–2 Mal täglich kleine Portionen; entfernen Sie nicht gefressenes Futter, um die Wasserverunreinigung zu minimieren.
Verträglichkeit und Zusammensetzung des Aquariums
Allgemeine Regeln:
- Kombinieren Sie Gouramis mit ruhigen, nicht aggressiven Arten, die ähnliche Wasserwerte schätzen (z. B. viele kleine Tetra-Arten, Rasboras, Corydoras, einige kleinere Danios).
- Vermeiden Sie zu aggressive oder ständig brutale Arten, die Flossen beschädigen oder Stress verursachen.
Beachten Sie die Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Männchen können sich gegenseitig herausfordern, halten Sie bei territorialen Arten oder während der Zucht Männchen und Weibchen in einem angemessenen Verhältnis.
Spezifisch:
- Zwergguramis eignen sich in der Regel für kleinere, ruhige Gesellschaftsaquarien.
- Einige Arten (wie der Kussgurami) werden groß und benötigen andere Mitbewohner und eine geräumigere Unterbringung.
Zucht (allgemeine Richtlinien)
Viele Fadenfische sind Schaumnestbauer: Das Männchen baut ein Schaumnest an der Oberfläche, bewacht das Nest und versorgt die Jungen. Dies sind allgemeine Schritte für schaumnestbauende Arten:
- Vorbereitung: separates Zuchtbecken mit weichem, neutralem Wasser, Schwimmpflanzen und geringer Strömung.
- Konditionierung: hochwertiges Futter, lebend oder tiefgefroren, mehrmals täglich im Vorfeld der Balz.
- Nisten: Sobald das Nest gebaut ist, kann die Paarung stattfinden; anschließend bewacht das Männchen das Nest.
- Aufzucht der Jungtiere: Entfernen Sie die Eltern, wenn sie aggressiv werden; Jungtiere benötigen zunächst sehr feines Futter (Infusorien → Mikrowürmer → Artemia-Nauplien).
Bitte beachten Sie: Nicht alle Gouramis vermehren sich auf die gleiche Weise. Einige Parosphromenus-Arten und andere Gattungen haben spezifische Zuchtanforderungen und benötigen weicheres und saureres Wasser. Überprüfen Sie immer die Artseite für genaue Zuchtanweisungen.
Häufige Fehler & wie man sie vermeidet
- Unzureichende Verstecke oder Schwimmpflanzen: Dies erhöht den Stress. Fügen Sie Schwimmpflanzen und dicht bepflanzte Bereiche hinzu.
- Zu starke Strömung: Labyrinthfische mögen ruhiges Wasser; dämpfen Sie den Abfluss gegebenenfalls ab.
- Einstöckige Ernährung: Füttern Sie abwechselnd Trockenfutter und Lebend-/Tiefkühlfutter, um Krankheiten und Farbverlust zu vermeiden.
- Schlechte Wasserqualität: Wechseln Sie je nach Besatz wöchentlich 20–30 % des Wassers; überprüfen Sie Ammoniak/Nitrit/Nitrat.
- Falsche Gruppenzusammensetzung: Vermeiden Sie hängende oder aggressive Arten; achten Sie auf Größenunterschiede.
Beliebte Gourami-Arten (kurze Einführungen)
Nachfolgend finden Sie eine Auswahl häufig gehaltener Arten. Über die Links zu den Artseiten erhalten Sie detaillierte Wasserwerte und Informationen zur Zucht.
- Zwerggurami – Trichogaster lalius – klein, farbenfroh und beliebt bei Anfängern; ruhiges Verhalten bei guter Pflege.
- Honig-Fadenfisch – Trichogaster chuna – ruhig und gesellig; schöne, ruhige Wahl für kleinere Aquarien.
- Diamant-Fadenfisch – Trichopodus leerii – anmutig mit Perlmuster; benötigt etwas mehr Platz und einen ruhigen Partner.
- Kussfisch — Helostoma temminckii – auffällig und größer; geeignet für geräumige Aquarien.
- Pracht-Gurami – Parosphromenus deissneri – oft klein und anspruchsvoll; für fortgeschrittene Hobbyaquarianer geeignet.
Praktische tägliche und wöchentliche Pflege-Checkliste
- Täglich: Verhalten kontrollieren, kleine Portionen füttern, sichtbare Abfälle oder Futterreste entfernen.
- Wöchentlich: Wasserwerte kontrollieren, je nach Besatz 20–30 % Wasser wechseln, Pflanzen zurückschneiden, Filter überprüfen.
- Monatlich: Geräte (Heizung, Filter) gründlich überprüfen.
Häufig gestellte Fragen (kurz)
Welcher Fadenfisch eignet sich für Anfänger? Der Honigfadenfisch und einige Zwergfadenfischarten eignen sich aufgrund ihrer ruhigen Art und relativ einfachen Pflege in der Regel gut für Anfänger.
Kann man mehrere Gourami-Arten zusammen halten? Das ist möglich, sofern die Arten ähnliche Wasserwerte haben und ausreichend Platz und Versteckmöglichkeiten vorhanden sind. Vorsicht bei territorialen Männchen.
Was ist das größte Risiko bei Gouramis? Stress durch falsche Mitbewohner, schlechte Wasserqualität oder zu starke Strömung. Achten Sie auf diese Faktoren und reagieren Sie bei Veränderungen.
Fazit
Guramis sind vielseitige und faszinierende Fische für Anfänger und erfahrene Aquarianer. Mit der richtigen Einrichtung, einer abwechslungsreichen Ernährung und der Beachtung der Wasserqualität ist eine erfolgreiche Haltung und sogar Zucht möglich. Detaillierte Anweisungen für die einzelnen Arten finden Sie auf den spezifischen Artseiten.